Sandy, unser Englischer Gentleman


* 10.05.1984    26.04.1998


 

Sandy zog bei uns überraschend ein. Denn eigentlich waren wir garnicht auf einem Hund eingestellt.  Freunde von uns, wollten sich von ihrem Hund trennen und so kam Sandy schließlich zu uns. Der Grund warum sie sich von Sandy getrennt haben, war der Nachwuchs, den sie erwarteten. Diese Aussage hört man ja viel, wenn der Hund weg muss. Aber für uns war es das Betse was passieren konnte.

 

Sandy war ein blonder  Labrador aus einer guten englischen Zucht. Leider war Sandy verzogen bzw. sehr vermenschlicht und wurde wie ein Kind gehalten. Es war am anfang sehr anstrengend, da wir mit ihm schritt für schritt die schlechten Eigenschaften wie z.B. in unserem Bett schlafen abgewöhnen mussten. Er war ein ruhiger, sanftmütiger, verspielter Labrador, der uns als seine Familie abgöttisch liebte. Nur wie ein richtiger Hund bellte Sandy nicht, wenn es an der Tür klingelte oder Fremde ins Haus kamen.

Dann passierte etwas wunderbares, als unser mittlerweile verstorbener Sohn geboren wurde. Sandy konnte plötzlich bellen, als ein Fremder vor der Tür stand. Sandy stand aufgebäumt vor ihm, legte seine Haare hoch, knurrte diesen an und wollte ihn ans eintreten hindern. Wir waren so stolz, das er nun doch bellen konnte. Nun hatten wir doch einen richtigen Hund, der auch mal bellen konnte.

Er hatte zu unserem Sohn eine sehr starke Bindung aufgebaut, so das es nicht nur für uns, nein auch für Sandy sein schwerster Verlust wurde.

Unser Sohn verstarb plötzlich und Sandy trauerte so stark, das wir es erst nicht bemerkten, weil wir selber mit unserer Trauer und uns beschäftigt waren. Sandy veränderte sich, er wurde sehr anhänglich und dann widerum lief er ständig weg.Wir konnten uns nicht erklären, warum er jetzt auf ein Mal ständig weg lief.Doch was wir dann sahen schnürte und den Hals zu. Wir fanden ihn am Grab unseresSohnes. Er lag einfach so da und wartete. Ob wohl wir nie mit ihm am Grab waren, fand er es dennoch. Wie groß muss seine Liebe  und Trauer gewesen sein, das wurde uns jetzt erst so richtig  bewußt.

 

Weil er so sensibel war, litt er auch mit wenn einer aus der Familie Krank war. Er wich dem Kranken nicht von der Seite.

Seine Lieblingsbeschäftigung war das Wasser, egal ob es Winter oder Sommer war. Er sprang mit voller Inbrunst ins Wasser und schwamm was das Zeug hielt.

Nach dem Tod von unserem Sohn verwöhnten Oma und Opa  Sandy so sehr,  das er ihnen auf schritt und tritt folgte.

Kinder liebte er über alles und spielte auch gerne mit ihnen Fußball. Allerdings als er älter wurde, hatte er sich  verändert und wollte einfach nur noch seine Ruhe haben. Sandy war nie ernsthaft Krank und hatte auch nie Knochenprobleme, was auf die gute Zucht bzw. Gene zurück zu führen ist. Doch dann kam der Tag,welches Sandy jede Hoffnung und Freude nahm.  Oma war plötzlich gestorben und Sandy konnte nicht verstehen, warum sie nicht zurück kam. War sie doch gerade mit ihrem Fahrrad weggefahren. Das verstand Sandy nicht und  er wartete Wochenlang am Gartentor,voller Hoffnung, dass sie doch wieder kommt. Ab dem Tag bemerkten wir, das sich Sandy wieder veränderte. Er verlor immer mehr an Lebenswillen und wartete nur noch. Diese schmerzliche Trennung war zu viel für ihn, er konnte einfach nicht mehr. Er wurde immer magerer, obwohl er noch  gefressen hatte, aber er wollte einfach nicht mehr, das spürte ich. Es war keine Lebensfreude mehr zu erkennen, es sah so leer bei ihm aus. Ich wußte, das die Zeit nun gekommen, ist wo wir uns langsam von ihm verschieden werden müssen. So kam dann wirklich der Tag, vor dem wir uns alle so fürchteten.

An einem Sonntag konnte Sandy nicht mehr aufstehen als ich nachhause kam. Er wollte weder trinken noch Fressen. Er schlief den ganzen Tag bis zum nächsten Morgen. Wir riefen den Tierarzt an und er kam mittags zu uns nachhause und untersuchte Sandy. Er ließ alles über sich ergehen und der Tierarzt sagte uns, das Sandy eine ganz schwache Herztätigkeit hätte und das Beste sei, ihn gehen zulassen. Dann passierte etwas, was mir heute noch Gänsehaut bereitet. Mit seinen letzten kräften stand Sandy plötzlich auf, leckte mir die Hand und brach wieder in sich zusammen. Nun war er wohl bereit. Auch der Tierarzt meinte, das Sandy sich von mir gerade verabschiedet hatte. Das war das Zeichen, dass  für ihn Zeit gekommen  ist zu gehen und wir ihn auch gehen lassen sollen. Ich nahm Sandy in meinem Arm, streichelte ihn und er schlief dann sanft ohne Schmerzen ein.

Es war eine wunderschöne Zeit mit Sandy, aber wir mussten ihn gehen lassen, auch wenn es uns sehr schwer fiel.  Sandy war ein teil unserer Familie, mit ihm haben  wir viel schönes und auch viel Leid gemeinsam geteil, wie es sein muss.

Er wird ewig in unserem Herzen weiter leben.

 

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