Was bedeutet es Pflegestelle zu sein?


 

Pflegestellezu sein bedeutet nicht gleich Erfolg zu haben.

Erfolgwird nicht daran gemessen,

-dass man jede Menge Zeitaufbringen kann,

-dassman „das bisschen Hund schon händeln kann“

-dassman über 20 Jahre lang Hunde führt und sowieso alles klar ist, klar

hinsichtlichjede Menge Erfahrung und ein gutes Händchen zu haben scheint.

 

Mitjedem Pflegehund startet die Pflegestelle in ein Abenteuer.

Wiedas Wort schon sagt „Abenteuer“, eine Reise die sowohl positive als

auchnegative Erfahrungen in sich bergen.

 

Abgabehunde

Esgibt sie, die ganz lieben gut sozialisierten immer fröhlichen Abgabehunde,

sowerden sie zumindest oft an die Tierschützer weiter gereicht.

Die„Null-Problemo“ Hunde.

 

Kaumsind sie aber da, zack schon gibt es Ärger.

Ärgerden man ja so überhaupt erwartet hat.

Damuss Frau/Mann schon ein wirklich guter Rudelführer und

seinerdamit einhergehenden Führungsposition sicher sein.

 

Wennich 20 Jahre oder mehr immer nur liebreizende Hunde hatte, stehe ich

vormeinem ersten Problem, wie händel ich diese oder jene Situation.

Dahilft sicher der Austausch mit „Leidensgefährten“, hat aber auch manchmal

denNachteil, 15 Leute „ergibt“  84 unterschiedliche Auffassungen und die dazugehörigen Meinungen.

Meinerster Weg, sofort ab in die Hundeschule, den Hund einschätzen lassen und

gleichmit dem Training beginnen. Die Probleme werden sicher bleiben, aber man isteine Zeitlang doch von der eigenen Angst und dem Unvermögen abgelenkt.

Eswird, wie schon geschrieben ein Abenteuer, Adrenalin pur.

Esmacht Spaß, man wächst mit seinen Aufgaben und der Tierschutzverein steht

jahinter mir, wenn alle erdenklichen Lösungen scheitern.

UmHilfe bitten und Hilfe annehmen ist ein guter Weg zum langfristigen Erfolg.

 

EhemaligeVermehrerzuchthüdinnen

Dasind meine Kernaussagen gleich, bis auf die Tatsache, dass hier noch eineUnbekannte ins Spiel kommt.

Jenach Haltung der Hündin komm ein „großer Welpe“ ins Haus. Ein Welpe der das„Draußen“ nicht kennt, ein Welpe der oftmals Gewalt ausgesetzt war und sicheine Schutz-Mauer aufgebaut hat.

Hierhilft oftmals seinem Instinkt zu folgen, Situationen einschätzen zu lernen undhier auch wieder erfahrene Pflegestellen um Mithilfe bitten.

Eswürde Seiten füllen was evtl. kommen könnte.

Ichwürde immer auf die Unterstützung aufbauen und es ist mir auch egal wenn ichnerve. Das ganze Paket „wie schaffe ich eine ehemalige Vermehrerzuchthündin aufden Weg zu bringen“ kann eine unerfahrene Pflegestelle nicht wuppen,vorausgesetzt sie ist ein Naturtalent.

Esreicht nicht aus, zu sagen „ich traue mich, ich schaffe das, ich bin geeignet“.

 

ABER,wenn man einen Pflegehund erfolgreich in seine Familie begleitet hat und,

weitermachen möchte, sollte aber auch mit Misserfolgen, wie z.B, der Hund mussumgesetzt werden, weil dieses oder jenes nicht passte, der Hund sich in demvorhandenen Rudel nicht wohl fühlte, auf jeden Fall rechnen.

DieseRückschläge muss man verarbeiten und auch damit umgehen können. Dann

klapptes auch mit dem nächsten oder vielleicht übernächsten Pflegehund.

 

Vorsicht,bei Hunden die ins Beuteschema passen, die laufen gerne der Gefahr aus, dasssie für immer bleiben.

 

Esist schön, einem oder auch mehreren Pflegehunden zurück ins Leben zu begleiten,aber auch eine kleine Auszeit zwischendurch ist wichtig. Die Pause macht Lustund Sehnsucht auf mehr und Kräfte sammeln ist ja auch nicht unbedeutend.

 

Unsere Erfahrungen als Pflegestelle

Francis und Greta

Zwei ehemalige Zuchthündinnen



Unsere Familie hat alle Situationen mit Pflegehunden kennengelernt und können uns somit auf fast jeden Hund einstellen.

Eine Herrausforderung war unsere ehemalige Pflegehündin Francis.


† Francis

Nachtrag 28.04.2010
Wie das Schicksal von Zuchthündinnen so spielt, wurde Francis unsere „Lady in Red“ auch nicht verschont.
Am 27.04.2010 um 16.10 Uhr erlöste sie der Tierarzt sanft von ihren Schmerzen und übergab ihr Leben einer anderen Welt.
  



Als unsere Pflegehündin Francis im September 2007 bei uns einzog,geschah es mit vielen Ängsten und Bedenken, ob wir ihr gewachsen sindund nichtüberfordert werden. Denn wir wurden gleich mit einem knurren undSchnappen begrüßt.
Als ehemalige Zuchthündin, wussten wir nicht was sie alles über sich ergehenlassen musste und das fast 7 Jahre lang.
Bei der Ankunft in unserem Haus, haben wir sie erst ankommen lassen. Sie durfteerstmal unseren Garten erkunden und unsere Hunde kamen dann nach einer Weiledazu. Unsere Hunde fanden sie interessant, worüber aber Francis anderer Meinungwar. Unsere Hunde wollten sie nur begrüßen, aber sie knurrte, fletschte undzeigte eine Abwehrhaltung, die unsere Hunde aber sofort verstanden und sie inRuhe ließen.
Ab den Tag ignorierten unsere Hunde Francis aus und so handhabten wir das auch.
Im Haus war sie sehr unruhig, unsicher und ängstlich. Für sie war ich sofortihre Bezugsperson, sie wich mir nicht von der Seite und folgte mir überall hin.
Aber sobald einer aus unserer Familie mir bzw. Francis zu nahe kamen, dasgleiche Bild: Sie knurrte und fletschte die Zähne!
Zu dem Zeitpunkt kamen wir an unsere Grenzen an, aber wir wollten ihr eineChance geben und sie nicht aufgeben.
Sie ist es die gelitten hat durch Menschenhand. Für sie muss es wie einKulturschock gewesen sein, daher ihr verhalten, welches nur ein Abwehrverhaltenwar und nichts Bösartiges.
Plötzlich ist sie in eine andere Umgebung mit ganz anderen Gerüchen,Geräuschen, die sie bisher nicht kannte. Sie bekam ein weiches Bettlager,regelmäßiges hochwertiges Futter und eine Hand, die sie mal nicht schlägt,sondern zart streichelt.
All das hat sie nie bekommen, was für unsere Hunde selbstverständlich ist unddaher ist sie  so durcheinander und muss alles erst verarbeiten. Genau dasverarbeiten musste Francis und zwar sehr viel, so dass wir ihr einfach die Zeitgaben, die sie brauchte.
Mit dem Auto zum TA war nicht möglich, das die Gefahr bestand, das Francis inwieder in ihre Angst zurück fällt.
Unser TA konnte sie nur in meine Anwesenheit in unserem Haus untersuchen, dasie mir voll vertraute. Bis auf ihre Zähne und Ohren war sie Gesund.
Francis wurde immer mehr offener, erst zu dem Rest meiner Familie und dann auchzu unseren Gästen. Sie fand auch immer mehr halt  und orientierte sich anunseren Hunden, die sich mittlerweile wie ein Rudel bewegten, als wenn sieimmer schon zusammen gehörten.
Wenn sie nicht bedrängt wurde ging sie sogar auf Fremden  Menschenvorsichtig zu und verlangte sogar erst schüchtern und dann nach einer weile dochsehr energisch ihre Streicheleinheiten.
Wir waren über ihre Fortschritte überwältigt, wie schnell  sie  immermehr offener wurde und gelernt uns Menschen wieder zu vertrauen. Sie war nachnur 4 Wochen nicht mehr wiederzuerkennen und so kam es eines Tages, das Francismir ein Zeichen gab, wer ihre neue Familie werden sollte. Das war ein Freund,der regelmäßig zu uns kam und auch sofort zu Francis einen Draht hatte bzw.sein herz an Francis verlor. Sie legte sich demonstrativ zu ihm und schautemich dabei an.
So zog Francis nach nur 4 1/2 Wochen nach Voltlage, ist eine aufgeschlossenHündin geworden und ohne Angst auf jeden zugeht.
Sie lebt nun in einer Familie, mit 3 Kindern und den anderen Hund der Familie.
Sie hat nun ihr altes Leben hinter sich gelassen und genießt einfach nur ihrneues Leben. Heute nach 2 Jahren wundern wir uns immer wieder aufs Neue, wasFrancis für eine Wandlung gemacht hat und hätten es nie für möglich gehalten.



 

Greta, die immer unvergessen bleibt...

 -Ihre Wirbesäule hing durch, wegen der vielen Welpen und

  schlechte Haltung beim Vermehrerzüchter

- Ihre Zitzen waren ausgeleiert und hingen herunter

- Einen Grützbeutel unterhalb der Rute, der kurz vorm

  platzen war

- Ihr Fell war glanzlos und voller Fellmilben

- Ihre Zähne waren so verfault, das sie unangenehm roch und

  sie hatte starke Schmerzen, das sie nicht in der Lage war zu

  Fressen

- Ihr Seh und Hörvermögen war beeinträchtigt

- Als sie sich im Garten löste, kam nur schieres Blut, durch

  eine verschleppte Blasenentzündung

- Ohrenentzündung  durch Milbenbefall

- Sie stank penedrant, so das sie sich sogar selber unwohl

  fühlte und unsere Hunde von ihr Abstand nahmen


Greta wurde, nachdem sie sich in der Pflegestelle erholte und Medizinisch behandelt, vermittelt. Trotz allem zeigten sich immer noch Verhaltensauffälligkeiten, die nie verschwanden und ihr zum Verhängnis wurde und sie daran starb. Greta ist und bleibt für uns immer ein besonderer Hund und hat immer ein Platz in unserem Herzen.


Schauen sie sich Greta  ganz genau an bevor sie sich für einen billigen Rassehund bei einem Vermehrer bzw. Massenzüchter entscheiden, denn Greta ist eine von so vielen Zuchthündinnen, die nur als Gebährmaschine mißbraucht werden. Sie als Potenzieller Käufer eines solchen Hundes tragen zum leid dieser Zuchthündinnen bei !!!





Hier ein kleiner Bericht über Greta von ihrer Familie, die uns freundlicherweise diesen Text über Greta zur Verfügung stellte.



 


Greta:


Als ich Greta bekam litt sie unter folgende Verhaltensauffälligkeiten:

Ausgeprägte generalisierte Ängstlichkeit ( Symtome: ausgeprägte Schreckhaftigkeit, Verweigerung von Nahrung oder Wasser, kein Ansatz von Kot und Urin, starke Fluchtreaktion z.B. offene Türen)


Ausgeprägte Furcht vor:

- Menschen (bis auf wenige vertraute Personen)

- Bestimmten Bewegungen auch vertrauter Menschen

- Autos

- Betreten von Gebäuden

- Futter (außer aus dem Napf)

- Bestimmten Gegenständen

- Enge (z.B. Flure, Durchgänge)


Diese Furcht zeigte sich durch intensives und andauerndes Fluchtverhalten ( incl. Springen vom Balkon und auf parkende Autos).Völlige Passivität (Einfrieren) von bis zu einer Minute Dauer, wenn Flucht nicht möglich, Ducken (z.B. bei herankommende Autos).


Greta litt unter Flashbacks solange ich sie kannte ( d.h. trotz allgemeiner Entspannung und abnehmender Furcht konnte irgendetwas für mich Unscheinbares, z.B. Stallgeruch, plötzlich wieder intensivve Furcht mit entsprechendem Verhalten auslösen.


So ist sie auch zu Tode gekommen.  Ein solcher Flashback hat eine starke Fluchtreaktion ausgelöst.  Greta ist stundenlang geflohen, hat sich im Wald verirrt und schließlich auf einer Landstrasse angefahren worden und verblutet.


Quelle: Maria Hense 2008

http://www.tierarztpraxis-hense.de/frame.htm






 

Ebenfalls suchen diese Tierschutzorganisation immer Pflegestellen, die sehr wichtig für diese Hunde sind. Ohne Pflegestellen könnte man diesen Hunden nicht helfen.

Die Pflegestellen nehmen diese Hunde auf und bereiten sie auf ihr neues Leben vor. Wenn sie aus so einer Vermehrer-Massenzucht kommen, haben sie vor allem und jedem Angst. Es ist wie schon mal oben erwähnt ein Kulturschock für die Tiere. Plötzlich ist es eineandere Umgebung mit unbekannten Geräuschen, Gerüche, die sie nichtkennen. Plötzlich bekommen sie ein weiches Bettlager, regelmäßigesFressen und eine Hand, die sie mal nicht schlägt, sondern zärtlichstreichelt. Sie bekommen dann auch noch die Medizinische Behandlung, dieihnen zusteht, aber nie zuvor bekommen haben.

Diese Hunde müssen viel verarbeiten und darum sind Pflegestellen sehr wichtig !!!


 

 

-Man kann in die Tiere nichts hineinprügeln, aber  man kann  manches aus ihnen  herrausstreicheln.-
(Astrid Lindgren)







© Jennifer Regenbrecht, Juni 2008

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