Der Gorilla, vorm aussterben bedroht...

http://www.berggorilla.org/


Wenn die letzten Gorialls verspeist werden, Gegrillt, gebraten, gekocht: In vielen Ländern Afrikas steht dasFleisch von Gorillas ähnlich hoch im Kurs wie hierzulandeWildschweinkeule – allerdings stehen letztere nicht auf der Liste derbedrohten Arten. Auf dem Papier sind Gorillas zwar streng geschützt.Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Foto: dpa

Unter Wilderern sind Gorillas eine beliebte Beute, da die Jäger mit einer einzigen Kugel viel Fleisch erhalten

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Über 120.000 lebten unentdeckt in Afrika

Tiere, die dem Menschen gefährlich werden können

Wilderei, Kriege und die Zerstörung ihrer Lebensräume haben dieTiere inzwischen an den Rand des Aussterbens gebracht. Drei der vierGorilla-Unterarten stehen in der höchsten Gefährdungsstufe auf derRoten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN, die vierte auf derzweithöchsten. Um auf die Gefährdung der Menschenaffen aufmerksam zumachen, eröffnet die UN-Konvention zum Schutz wandernder Tierarten andiesem Montag (1. Dezember) das Jahr des Gorillas 2009.

In vielen Regionen Afrikas ernähren sich die Menschen hauptsächlichvom Fleisch wilder Tiere, so genanntem Buschfleisch. Rinderzucht sei invielen Tropenwaldgebieten nicht möglich, erläutert Stefan Ziegler,Menschaffenexperte der Umweltstiftung WWF Deutschland, „weil dertierische Vertreter der Schlafkrankheit den Rindern sehr schnell denGaraus macht“. Inzwischen dienen die erbeuteten Wildtiere jedoch nichtmehr nur den Menschen lokal als Nahrungsquelle, sondern kommerziellenJägern als großes Geschäft.

Nach Angaben des UN-Umweltprogramms UNEP werden jedes Jahr mindestenseine Million Tonnen Buschfleisch aus den Wäldern im Kongobeckenverschleppt - darunter das Fleisch bedrohter Tierarten. Gorillas seienbei Wilderern begehrt, da die Jäger mit einer einzigen Kugel eine großeMenge Fleisch erbeuten, erklärt Sandra Altherr, Leiterin desAffenschutzprojektes bei der Tierschutzorganisation Pro Wildlife.Ziegler gibt zu bedenken, dass sich dezimierte Gorillabestände aufgrundder langsamen Fortpflanzungsrate der Menschenaffen nur schwer erholen:Eine Gorillamutter bekomme maximal alle fünf Jahre ein Junges.

Auf dem Papier sind Gorillas zwar streng geschützt. Doch sogar inafrikanischen Nationalparks sehe die Wirklichkeit anders aus, berichtetAltherr: „Der Wilderer geht fast gar kein Risiko ein, erwischt zuwerden, und wenn doch, dann wird entweder ein Auge zugedrückt oder erzahlt ein Schmiergeld und ist wieder draußen.“

Nurnoch 700 beziehungsweise 300 Individuen existieren laut UNEP vomBerggorilla (Gorilla beringei beringei) und dem Cross-River-Gorilla(Gorilla gorilla diehli). Der Bestand des östlichen Flachlandgorillas(Gorilla beringei graueri) sei in den vergangenen zehn Jahren von17.000 auf 5000 Tiere geschrumpft. Und obwohl es noch mehr als 200 000Exemplare des westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla)gibt, gilt auch diese Unterart als akut vom Aussterben bedroht. „Dasliegt an dem Tempo, mit dem ihr Lebensraum zerstört wird, an demJagddruck, der dort herrscht, und nicht zuletzt an Ebola“, berichtetAltherr. Das Ebolavirus könne bis zu 90 Prozent einer infiziertenGorillapopulation dahinraffen.

Die Gorillas verlieren ihren Lebensraum durch die fortschreitendeAbholzung und Brandrodung der Regenwälder Afrikas. „Europa konsumiertnoch immer Unmengen an Tropenholz“, kritisiert Altherr. DieTropenwaldbäume würden zu Gartenstühlen, Sperrholz oder Toilettenpapierverarbeitet. „Leider geht der Trend wieder weg vom Recyclingpapier“,bedauert sie. Auch der Holzeinschlag für die Holzkohleproduktiongefährdet den Lebensraum der Gorillas. In einem UNEP-Pilotprojekt imKongo reduzierten effiziente Öfen, die von lokalen Handwerkern gebautwurden, den Holzkohleverbrauch einer Region um 70 Prozent. EineAusweitung des Projektes könnte dabei helfen, den Lebensraum derGorillas zu erhalten.

Für das UNEP führt der Weg zu einem nachhaltigen Gorillaschutz über dielokale Bevölkerung. Das UN-Umweltprogramm will im Jahr des Gorillasgezielt die Existenzgrundlage der Menschen in den Gorilla-Gebietenstärken und ihnen Möglichkeiten aufzeigen, auch außerhalb der Jagdihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine Option ist es, Wildtierjägerzu Imkern umzuschulen. Ein solches Projekt der Lebialem HuntersBeekeeping Initiative ist bereits im kleinen Rahmen in Kamerungestartet.

In Uganda und Ruanda sind Gorilla-Beobachtungstouren für Touristen einRenner; in Ruanda haben laut UNEP die Tourismuseinnahmen die Einkünftedurch Kaffee-Exporte überholt. Solange bei solchen Touren der nötigeAbstand gewahrt bleibe und die Gruppen nicht zu groß seien, halten auchder WWF und Pro Wildlife diese Art des Tourismus für eine durchauspositive Sache. Das UNEP plant, das Konzept auf andere afrikanischeLänder zu übertragen: Reiseführer und Tourenanbieter aus erfolgreichenostafrikanischen Programmen sollen in Westafrika helfen, auch dorteinen erfolgreichen „affenbasierten Ökotourismus“ aufzubauen. DieBotschaft lautet: Lebendige Gorillas sind mehr wert als tote.

Weitere Informationen im Netz:

www.yog2009.org

www.jahr-des-gorillas.de