Bestimmt kennen Sie das aus eigener Erfahrung: Selbst wer seinen Hund noch so sorgfältig führt, kann kaum verhindern, dass sich ab und an mal die Leine strafft. Es gibt immer Situationen, in denen der Vierbeiner an der Leine zieht, aufgeregt in die Leine springt oder in denen dem Hund unbeabsichtigt ein Leinenruck zugefügt wird. Trägt der Hund dabei ein Halsband, kann dies Folgen haben.

Zug am Hals - wo liegen die Probleme?

Zug am Hals kann vielfältige Probleme auslösen:

  • Der Halsbereich des Hundes ist genau so empfindlich wie unsere menschliche Halswirbelsäule - das haben wir Zweibeiner jahrzehntelang geflissentlich ausgeblendet. Und genau wie wir sind Hunde anfällig für Kopf- und Rückenschmerzen. Häufiger Zug auf dem Halsband kann chronische Verspannungen verursachen, aber auch Ursache von Atembeschwerden und Kehlkopfschäden sein. Ganz abgesehen von den Schmerzen, die den Hund so plagen können: Wir Menschen wissen selbst am besten, wie ungenießbar wir werden können, wenn es weh tut - unseren Hunden geht es da nicht anders.
     

  • Unter Hunden kommen Einwirkungen im Halsbereich vor allem dann vor, wenn es im Ernstkampf quasi um Leben und Tod geht. Zug am Hals erzeugt deshalb Stress und begünstigt aggressives Verhalten. Wohl jeder Hundebesitzer kennt das Phänomen, wonach die Situation zwischen angeleinten Hunden häufig dann eskaliert, sobald die Besitzer die Leinen straffen und Zug am Hals entsteht.
     

 Brustgeschirr: Komfort für Hund und Mensch

Mit einem Brustgeschirr können Sie nicht nur Ihrem Hund jede Menge Komfort und Wohlbefinden schenken: Viele Hunde gehen mit Brustgeschirr erheblich besser an der Leine, und nicht selten wird auch bei Problemen mit Leinenaggression durch die Verwendung eines Brustgeschirres eine Besserung erzielt – und beides ist nicht nur für den Hund sehr angenehm, sondern auch für Sie, das andere Ende der Leine. Üblicherweise können Sie Ihren Hund auch im Krisenfall erheblich besser halten, wenn er ein Brustgeschirr trägt: ein Griff in den Rückensteg, und schon haben Sie ihn gut unter Kontrolle.

 

Das richtige Brustgeschirr

Brustgeschirre gibt es mittlerweile in vielen verschiedenen Schnitten und Ausführungen. Die klassische Form des Brustgeschirrs mit Brust- und Rückensteg tragen oben im Bild Asta (Mitte) und Zito (rechts). Lina (Bild links) präsentiert ein sogenanntes "Norwegergeschirr". Für welches der unterschiedlichen Modelle Sie sich entscheiden, hängt von der Körperform Ihres Hundes, dem Schnitt und der Passform des Geschirrs und natürlich auch Ihrem persönlichen Geschmack ab. Manche Hersteller fertigen die Brustgeschirre maßgeschneidert an, und Sie können zwischen verschiedenen Stoffen, Musterungen und Farben wählen. Aus dem Brustgeschirr mit perfekter Passform wird dann auch noch ein modisches Accessoire (so, wie bei Zito oben rechts). Welche Variante Sie auch immer wählen - Sie sollten auf Folgendes achten: Das "richtige Brustgeschirr

  • ist aus weichem Material ohne scheuernde Nähte und Ränder,
     

  • sitzt etwa eine Handbreit hinter den Ellbogen und kneift den Hund nicht unter den Achselhöhlen,
     

  • ist so anzuziehen (z.B. durch beidseitige Seitenverschlüsse), dass der Hund nicht erst mühsam mit den Pfoten einsteigen muss,
     

  • ist maschinenwaschbar.

Brustgeschirr-Infozettel zum Download

Vielleicht möchten Sie sich die wichtigsten Infos rund um das Brustgeschirr kurz und kompakt noch einmal ausdrucken? Oder auch an andere Hundefreunde weitergeben, um noch ein wenig Überzeugungsarbeit zu leisten? Wenn Sie mögen, können Sie sich hier unseren Infozettel rund um das Brustgeschirr als pdf-Datei herunterladen, der - in unveränderter Form - natürlich gerne weiterverbreitet werden darf!

... und noch mehr Lesestoff zum Thema

Höchste Zeit, dass wir Zweibeiner ein wenig sensibler werden, was die Empfindlichkeit des Hunderückens, insbesondere der Halswirbelsäule angeht. Wenn Sie sich weiter informieren möchten, werden Sie hier fündig:

  • Ausführliche Hintergrundinformationen rund um den Einsatz von Brustgeschirren finden Sie auf derWebseite der Hundeschule Best Friends von Silvia Weber.
     

  • Das Büchlein "Rückenprobleme beim Hund" von Anders Hallgren (animal learn-Verlag 2003) stellt unter anderem die Ergebnisse einer Studie vor, die Anders Hallgren über mehrere Jahre zum Thema Rückenprobleme erstellt hat. Selbst ohne deren Ergebnisse (z.B. bezüglich des Zusammenhangs von Rückenproblemen und Aggressionsverhalten) wäre dieses Thema eine Veröffentlichung wert gewesen.  Für Hundebesitzer und Hundetrainer liefert das Buch jede Menge Denkanstöße: Getreu dem Motto "Was du nicht willst, das man dir tu...." wird sicherlich so manch eine Leser ins Nachdenken geraten und das eine oder andere Detail im Zusammenleben und Training mit dem eigenen Hund überdenken. Dazu ist "Rückenprobleme" eine wertvolle Argumentationshilfe gegen jegliche "Hau-Ruck-Methoden" im Hundetraining.
     

  • Weil Zug am Hals ganz häufig im Zusammenhang mit mangelnder Leinenführigkeit auftritt, ist auch Turid Rugaas: Hilfe, mein Hund zieht! (animal learn-Verlag 2004) eine empfehlenswerte Lektüre zum Thema. Das Besondere an ihrem schön gestalteten neuen Büchlein ist nicht allein die Anleitung zum Training der Leinenführigkeit: Was uns besonders gefällt, sind Turid Rugaas' allgemeine Betrachtungen zum Thema. Warum ziehen Hunde überhaupt an der Leine? Was geht in ihnen vor, wenn sie ziehen - und was sagt die Leinenführigkeit über die Beziehung zwischen Hund und Mensch aus? Welche (auch gesundheitlichen) Folgen hat das Ziehen an der Leine? Turid Rugaas' Buch ist eine wertvolle Argumentationshilfe gegen den Einsatz von Leinenrucks, Stachel- oder Würgehalsbändern oder sogenannten "Erziehungsgeschirren" und gleichzeitig ein Plädoyer für Verständnis, Gelassenheit und Freundlichkeit im Umgang mit dem vierbeinigen Familienmitglied.

 

© Christina Sondermann 2006-2010
Kontakt: christina@spass-mit-hund.de